"Die Technikerkaste, zu der Ingenieure und Physiker, Agronomen und Chemiker, qualifizierte Arbeiter und Nobelpreisträger gehören, führt ihre Arbeit aus, ohne von ihrem Werk aufzublicken ... ( )."
"Der göttliche Ingenieur", Jacques Neirynck

Ein paar Worte zum Elektrotechnik-Studium...

  

     

Seit Oktober 1998 studiere ich an der FH Heilbronn, Standort Künzelsau Elektrotechnik. Ich weiss nicht so genau, welcher Teufel mich damals geritten hat und mich ausgerechnet in die schwäbische Walachei getrieben hat. Da hätte ich prinzipiell auch gleich bei mir daheim im Spessart bleiben können. Das ist jedenfalls genauso tiefste Provinz wie Hohenlohe! Aber ich fühl mich so als Landei eigentlich ganz wohl. Es war jedenfalls mehr so 'ne Bauchentscheidung, und ich hab sie nicht bereut.

Künzelsau ist ein gemütliches KLEINstädtchen, und ebenso sind die Einwohner. Man muss aber zugeben dass hier kulturell einiges geboten ist - und zwar in fast jeder Preisklasse und für jeden Geschmack. Es finden ständig irgendwelche Events, Konzerte, Open Airs, Theateraufführungen oder Festspiele in Kiau und der (näheren) Umgebung statt. Wer nicht will, der hat schon. Soviel mal dazu. Wenn man allerdings mal in die Disco (oder so) gehen will, braucht man schon 'nen fahrbaren Untersatz, der einen bis Heilbronn, Stuttgart oder Würzburg bringt.

In dieser Atmosphäre lässt es sich recht entspannt studieren (wenn auch einige behaupten, bei soviel Entspannung müsse man aufpassen, nicht ständig einzuschlafen). Egal, die angenehme Umgebung (wie heisst es in der FH - Werbung so schön: "...studieren, wo andere Urlaub machen!") und die geringe Größe (kann man stattdessen auch "Kleine" sagen?) der FH mit nur etwas über 700 (Tendenz steigend, speziell bei BWL) eingeschriebenen Studis - das hat was! Ich hab natürlich keinen direkten Vergleich mit anderen Hochschulen (bedingt mit Heilbronn), überfüllte Hörsääle hat es hier aber (fast) nie. Und außerdem kennen einen die meisten Profs quasi beim Vornamen.

Seit 1. März 2002 schreibe ich meine Diplomarbeit bei der National Instruments Services GmbH & Co.Kg in München. Hier hab ich auch schon mein zweites Praxissemester absolviert, etwa die Hälfte der Zeit war ich am Stammsitz des Unternehmens in Austin/Texas. Das war ein unvergessliches Erlebnis und ich kann es nur jedem empfehlen, auf jeden Fall mal eine Weile ins Ausland zu gehen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Da sind speziell die "Techniker" angesprochen, uns tut das richtig gut, mal aus dem Labormief rauszukommen. Hier in München ist es auch ganz schön und ich hab nette Kollegen. Ich musste mich allerdings erst wieder mühsam dran gewöhnen, den ganzen Tag im Büro zu sitzen! Da isses in der FH schon angenehmer, einfach mal 'ne Stunde in der Mensa rumzuschimmeln. München ist ne schöne Stadt und hat einiges an Zerstreuungsmöglichkeiten zu bieten. Das muss man sich aber erst mal leisten können. Leider finden nur relativ wenige Rock-/Metal-Konzerte in der bayerischen Metropole statt, die meisten Bands machen um den südbayerischen Raum einen Bogen. Zur Arbeit fahr meistens mit dem Radl, den täglichen Verkehrskollaps kann ich nicht gebrauchen. Irgendwie ist da auch kein System zu erkennen, wann man das Auto besser stehen lässt...und mit der U-Bahn ist es mir zu umständlich.

Wenn alles so läuft wie geplant, bin ich Ende August mit dem Studium fertig und darf mich Dipl. Ing. (FH) schimpfen. Es ist einfach unglaublich! Naja, noch ist es nicht so weit.....Danach brauch ich in jedem Fall mal ein bisschen Urlaub. Hat jemand Interesse, mal nach Australien, Neuseeland, Schottland, Irland, Norwegen oder in die Camarque zu fahren? Ich bin noch ein bisschen unentschlossen.

Hm, das waren jetzt eigentlich sehr wenige Worte zum Studium. Also, neuer Versuch: In Künzelsau kann man ziemlich gut studieren, sogar mit einem gewissen Erfolg. Seit ein paar Semestern klappt jetzt auch die Prüfungsan- und abmeldung. Momentan finden einige merkwürdige Umstrukturierungen statt. Da werden Profs (Kapazitäten!) von wichtigen Vorlesungen wo anders hinverpflanzt und (meiner bescheidenen Meinung nach) nur völlig unzureichend (vorsichtig ausgedrückt) "ersetzt". (Wem es jetzt noch nicht klar ist...). Es bleibt zu hoffen, das sich das die Verantwortlichen noch mal gut überlegen! Ansonsten sind die (Labor-) Mitarbeiter ziemlich nett und hilfsbereit. Es gibt allerdings auch ein, zwei Wichtigtuer, Luftpumpen oder solche, mit denen man viel Geduld braucht. Aber so isses wahrscheinz überall, isn't it?